Wenn ein Tragwerksplaner erwägt, Betonstahl durch Glasfaserstäbe zu ersetzen, lautet eine der ersten Fragen, ob die GFK-Bewehrung eine CE-Kennzeichnung trägt. Die kurze Antwort: Sie kann eine tragen, aber auf einem anderen Weg als üblich – über die Europäische Technische Bewertung (ETA).

Dieser Leitfaden erklärt jedes Dokument auf diesem Weg, in welcher Reihenfolge sie kommen, was sie bewerten, wie sich das zur deutschen abZ/aBG verhält und was Sie prüfen sollten, bevor Sie eine GFK-Bewehrung ausschreiben.

Warum ein GFK-Stab eine ETA braucht

In der Europäischen Union stützt sich die CE-Kennzeichnung von Bauprodukten auf einen von zwei Wegen:

  • Eine harmonisierte Norm, wenn es für diese Produktart eine europäische Norm gibt.
  • Eine Europäische Technische Bewertung, wenn es keine harmonisierte Norm gibt oder das Produkt nicht darunter fällt.

Für Bewehrungsstäbe aus Faserverbundkunststoff (FVK) gibt es keine harmonisierte Norm; ihr einziger Weg zur CE-Kennzeichnung ist daher die ETA. Für den Hersteller ist sie freiwillig, ohne sie kann er aber keine CE-Kennzeichnung anbringen.

In Deutschland werden GFK-Bewehrungsstäbe bislang in der Regel auf Grundlage einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung bzw. Bauartgenehmigung (abZ/aBG) des DIBt eingesetzt; auf europäischer Ebene führt der Weg über eine ETA nach EAD 260023-00-0301. Die ETA beschreibt die Leistung des Produkts; wie Bauteile mit GFK-Bewehrung bemessen und ausgeführt werden, regelt sie nicht. Darauf gehen wir weiter unten ein.

Das EAD: Was bewertet wird

Bevor ein Produkt bewertet werden kann, muss feststehen, wie. Das legt das EAD (Europäisches Bewertungsdokument) fest, das die Technischen Bewertungsstellen über ihre europäische Organisation EOTA erarbeiten. Für FVK-Stäbe ist das EAD 260023-00-0301 maßgebend; es umfasst Stäbe aus Kohlenstoff-, Glas-, Basalt- und Aramidfasern als Bewehrung tragender Bauteile.

Das EAD legt fest, welche Merkmale mit welchen Prüfungen bewertet werden. Dazu gehören:

Typische Merkmale eines nach EAD bewerteten FVK-Stabes
MerkmalWarum es wichtig ist
Charakteristische ZugfestigkeitGrundlage der Bemessung im Grenzzustand der Tragfähigkeit
ElastizitätsmodulBestimmt Durchbiegung und Rissbildung
BruchdehnungVerformungsvermögen bis zum Bruch
Verbund zum BetonFür Verankerung und Begrenzung der Rissbreite
QuerscherfestigkeitDübelwirkung und Verhalten in Fugen
Beständigkeit im alkalischen MilieuBeton ist alkalisch: Der Stab muss seine Festigkeit behalten
GlasübergangstemperaturThermische Grenze des Harzes
Abmessungen und effektive QuerschnittsflächeDamit die Rechenfläche der tatsächlichen entspricht

Das sind genau die Daten, die ein seriöser Hersteller in seinem Datenblatt veröffentlicht, Durchmesser für Durchmesser. Unsere finden Sie im Datenblatt von GraphenBar.

Die ETA: Wer sie erteilt und wie

Die ETA erteilt eine Technische Bewertungsstelle (TAB), die von einem Mitgliedstaat benannt ist. Der Ablauf in groben Zügen:

  1. Der Hersteller beantragt die Bewertung seines Produkts nach einem EAD.
  2. Die Bewertungsstelle legt das Prüfprogramm fest, und die Prüfungen werden am Produkt durchgeführt.
  3. Aus den Ergebnissen erstellt sie einen ETA-Entwurf mit den Leistungen des Produkts.
  4. Der Entwurf wird über die EOTA von den übrigen Bewertungsstellen geprüft.
  5. Die ETA wird erteilt und in der öffentlichen Datenbank der EOTA veröffentlicht.

Das dauert: Zwischen Antrag und Erteilung kann mehr als ein Jahr vergehen. Für GFK-Stäbe anderer europäischer Hersteller sind bereits ETAs nach diesem EAD erteilt; sie lassen sich in der Datenbank der EOTA einsehen.

System 1+: die notifizierte Stelle

Eine ETA bewertet das Produkt, garantiert aber allein nicht, dass jeder Stab, der das Werk verlässt, dem geprüften entspricht. Dafür gibt es das System zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit (AVCP). Für FVK-Stäbe zur tragenden Verwendung gilt das strengste, System 1+, bei dem eine notifizierte Produktzertifizierungsstelle:

  • das Werk und seine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) erstmals inspiziert;
  • diese Produktionskontrolle laufend überwacht;
  • selbst Stäbe im Werk oder im Lager des Herstellers entnimmt und prüft.

Ist alles konform, stellt sie das Zertifikat der Leistungsbeständigkeit aus.

GraphenBar-Stäbe auf der Pultrusionslinie im Werk
Stäbe auf der Pultrusionslinie in Yecla. Die werkseigene Produktionskontrolle ist das, was die notifizierte Stelle überwacht.

Von der ETA zur CE-Kennzeichnung, Schritt für Schritt

Vom Bewertungsdokument zum CE-Zeichen
SchrittDokumentAusgestellt von
1EAD 260023-00-0301: wie FVK-Stäbe bewertet werdenEOTA
2ETA: Leistungen des konkreten ProduktsTechnische Bewertungsstelle
3Zertifikat der LeistungsbeständigkeitNotifizierte Stelle (System 1+)
4Leistungserklärung (DoP)Hersteller
5CE-Kennzeichnung auf dem Produkt oder dem EtikettHersteller

Eine erteilte ETA bedeutet noch kein CE-gekennzeichnetes Produkt: Es fehlen die Schritte 3, 4 und 5.

Was Sie als Planer prüfen sollten

  • Die ETA-Nummer und das EAD, und ob die ETA in der Datenbank der EOTA steht.
  • Das Zertifikat der notifizierten Stelle mit deren Kennnummer.
  • Die Leistungserklärung: konkrete Werte je Durchmesser, kein pauschales „erfüllt“.
  • Das CE-Zeichen auf dem Produkt oder der Verpackung, passend zur Leistungserklärung.
  • Ob der in der ETA genannte Verwendungszweck Ihrem Bauvorhaben entspricht.
  • Den bauaufsichtlichen Nachweis für die Bauart: in Deutschland eine abZ/aBG oder, für ein einzelnes Bauvorhaben, eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung.

DIN EN 1992-1-1 mit Nationalem Anhang regelt die Bemessung mit FVK-Bewehrung noch nicht. Liegt keine abZ/aBG vor, ist für tragende Bauteile in Deutschland deshalb in der Regel eine Zustimmung im Einzelfall bzw. eine vorhabenbezogene Bauartgenehmigung der obersten Bauaufsichtsbehörde des Landes nötig. Grundlage sind Prüfungen, Datenblätter und Unterlagen des Herstellers sowie Regelwerke wie ACI CODE-440.11-22 oder Anhang R der neuen EN 1992-1-1, die wir in GFK-Bewehrung oder Betonstahl vorstellen. Die CE-Kennzeichnung erleichtert diesen Nachweis, ersetzt ihn aber nicht. Stimmen Sie das Vorgehen früh mit Tragwerksplaner, Prüfingenieur und Bauaufsicht ab.

Wo GraphenBar steht

Die Werte von GraphenBar sind nach EAD 260023-00-0301 erklärt; der Stab wird unter werkseigener Produktionskontrolle mit Chargenkontrolle auf unserer Pultrusionslinie in Yecla gefertigt. Die Europäische Technische Bewertung ist in Bearbeitung (ETA in Bearbeitung); bis zu ihrer Erteilung werden keine Leistungen nach der Bauproduktenverordnung erklärt.

Graphenano Smart Materials verfügt außerdem über zertifizierte Managementsysteme für Qualität, Umwelt sowie Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (ISO 9001, 14001 und 45001). Das sind Zertifikate des Unternehmens, nicht des Produkts.