„Mörtel“ steht auf der Baustelle für fast alles: zum Mauern einer Wand, zum Verputzen einer Fassade, für den Estrich, zum Verlegen von Fliesen oder zur Instandsetzung einer Stütze. Dahinter stecken sehr unterschiedliche Produkte mit eigenen Normen und Kurzzeichen, und eine falsche Wahl wird teuer.

Dieser Überblick ordnet die Mörtelarten nach Bindemittel und Verwendung, erklärt die Kurzzeichen auf dem Sack und die alten Mörtelgruppen und gibt einige Regeln für die richtige Wahl.

Was ist Mörtel?

Mörtel ist ein Gemisch aus Bindemittel (Zement, Kalk, Gips, Calciumsulfat oder Kunstharz), feiner Gesteinskörnung (Sand bis 4 mm) und Wasser, dem Zusatzmittel und Zusatzstoffe beigegeben werden können. Anders als Beton enthält er keine grobe Gesteinskörnung: Deshalb wird er in dünnen Schichten verarbeitet und nicht für tragende Bauteile mit größerer Dicke verwendet.

Er kann als Baustellenmörtel nach Raumteilen gemischt werden oder als Werkmörtel kommen: Werktrockenmörtel wird im Sack oder Silo geliefert, braucht nur noch Wasser und hat deklarierte Eigenschaften. Daneben gibt es Werkfrischmörtel, der verarbeitungsfertig auf die Baustelle kommt.

Mörtelarten nach Bindemittel

Mörtel nach Bindemittel
MörtelVorteileGrenzenTypische Anwendung
ZementmörtelFestigkeit, schnelle Erhärtung, DauerhaftigkeitSteif, stärkeres Schwinden, wenig diffusionsoffenMauerwerk, Putze, Estriche, Fliesenverlegung im Mörtelbett
Kalkmörtel (Luftkalk oder hydraulischer Kalk)Verformungsfähig, diffusionsoffen, verträglich mit altem MauerwerkLangsamer und weniger festSanierung und Denkmalpflege, diffusionsoffene Putze; als Trasskalkmörtel für Naturstein
KalkzementmörtelAusgewogen zwischen Festigkeit und VerarbeitbarkeitDas Mischungsverhältnis muss stimmenÜbliches Mauerwerk und Putze
GipsmörtelSchnell und leicht zu glättenNicht feuchtebeständigInnenputz
Calciumsulfatmörtel (Anhydrit)Selbstnivellierend, geringes Schwinden, geringe DickeFeuchteempfindlich, muss angeschliffen werden und lange trocknenEstriche im Innenbereich und Fußbodenheizung
Kunstharzmörtel (Epoxid, Polyurethan)Sehr hohe chemische und mechanische BeständigkeitKosten, anspruchsvollere VerarbeitungIndustrieböden, Instandsetzung, Verankerungen

Beim Kalk unterscheidet DIN EN 459-1 Luftkalke (CL), die an der Luft durch Karbonatisierung erhärten, und natürliche hydraulische Kalke (NHL 2, NHL 3,5, NHL 5), die auch mit Wasser abbinden. Die Zahl ist die Festigkeitsklasse, also die Mindestdruckfestigkeit in N/mm² nach 28 Tagen.

Mörtelarten nach Verwendung und Norm

Mauermörtel

Zum Mauern von Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton oder Naturstein. DIN EN 998-2 teilt Mauermörtel nach der Druckfestigkeit in Klassen ein: M plus Druckfestigkeit in N/mm², etwa M 2,5, M 5, M 10 oder M 20. Nach der Art unterscheidet sie Normalmauermörtel (G), Dünnbettmörtel (T) für Plansteine und Leichtmauermörtel (L). Die Anwendung in Deutschland regelt DIN 20000-412, und in Ausschreibungen und auf der Baustelle sind die alten Mörtelgruppen nach wie vor geläufig:

Mörtelgruppen und Druckfestigkeitsklassen
Mörtelgruppe (alt)Klasse nach DIN EN 998-2Mindestdruckfestigkeit
MG II≈ M 2,52,5 N/mm²
MG IIa≈ M 55 N/mm²
MG III≈ M 1010 N/mm²
MG IIIa≈ M 2020 N/mm²

Zuordnung nach DIN EN 998-2 in Verbindung mit DIN 20000-412; die Gleichsetzung ist eine Orientierung, maßgeblich ist die deklarierte Klasse des Mörtels. Die Gruppe MG I (Kalkmörtel) spielt im Neubau kaum noch eine Rolle.

Putzmörtel

Zum Beschichten von Wänden, außen und innen. DIN EN 998-1 unterscheidet Normalputzmörtel (GP), Leichtputzmörtel (LW), Edelputzmörtel (CR), Einlagenputzmörtel für außen (OC), Sanierputzmörtel für feuchte, salzbelastete Wände (R) und Wärmedämmputzmörtel (T). Dazu kommen die Druckfestigkeitskategorien CS I bis CS IV und die Kategorien der kapillaren Wasseraufnahme W0 bis W2. An der Fassade kommt es darauf an, dass der Putz Schlagregen abhält und Wasserdampf entweichen lässt; Planung und Ausführung regeln DIN EN 13914 und DIN 18550.

Estrichmörtel

Zum Ausgleichen und Nivellieren von Böden vor dem Belag. DIN EN 13813 ordnet Estriche nach dem Bindemittel (CT Zement, CA Calciumsulfat, MA Magnesia, AS Gussasphalt, SR Kunstharz) und nach Druck- (C) und Biegezugfestigkeit (F): Ein CT-C20-F4 ist ein Zementestrich mit 20 N/mm² Druck- und 4 N/mm² Biegezugfestigkeit (früher etwa ZE 20). Die Ausführung regelt die Normenreihe DIN 18560. Diese Estriche kommen auch über der Fußbodenheizung zum Einsatz; mehr dazu im Beitrag Estrich für Fußbodenheizung.

Konsistenzprüfung eines Mörtels auf dem Ausbreittisch, gemessen wird der Durchmesser des Mörtelkuchens
Konsistenzprüfung auf dem Ausbreittisch: Gemessen wird, wie weit sich der Mörtelkuchen ausbreitet.

Fliesenkleber

DIN EN 12004 teilt zementäre Fliesenkleber in C1 (normal) und C2 (verbessert) ein, mit Zusatzbuchstaben: F für schnell erhärtend, T für verringertes Abrutschen, E für verlängerte offene Zeit und S1 oder S2 für verformbare Kleber, die sogenannten Flexkleber. Für großformatiges Feinsteinzeug, im Außenbereich und auf Fußbodenheizung wird C2 verwendet, oft verformbar.

Instandsetzungsmörtel

DIN EN 1504-3 teilt Mörtel für die Betoninstandsetzung in R1 und R2 (nicht statisch relevant) sowie R3 und R4 (statisch relevant) ein. Mit ihnen wird zum Beispiel die Betondeckung nach einer Bewehrungskorrosion wiederhergestellt.

Spezial- und Dekormörtel

Fließspachtel und Ausgleichsmassen, Verguss- und Ankermörtel, Dichtschlämmen und dünnschichtige dekorative Mikromörtel, bekannt als Mikrozement, für fugenlose Böden und Wände.

Was M 5, CT-C20-F4 oder C2TE bedeuten

So lesen Sie die Angaben auf dem Sack
KurzzeichenMörtelartBedeutung
M 5Mauermörtel (DIN EN 998-2)Druckfestigkeit mindestens 5 N/mm², entspricht etwa MG IIa
GP CS III W1Putzmörtel (DIN EN 998-1)Normalputzmörtel, Druckfestigkeitskategorie CS III, Wasseraufnahme W1
CT-C20-F4Estrich (DIN EN 13813)Zementestrich, 20 N/mm² Druck- und 4 N/mm² Biegezugfestigkeit
C2TE S1Fliesenkleber (DIN EN 12004)Verbessert, verringertes Abrutschen, verlängerte offene Zeit, verformbar
R4Instandsetzung (DIN EN 1504-3)Statisch relevant, die anspruchsvollste Klasse

Den richtigen Mörtel wählen

  • Beim Mauern sollte der Mörtel nicht fester sein als die Steine. Ist er deutlich steifer, laufen Risse durch die Steine statt durch die Fugen.
  • Bei altem Mauerwerk: Kalk. Ein Zementmörtel auf Kalkmauerwerk schließt Feuchte ein und löst sich irgendwann ab oder schädigt die Wand.
  • Mehr Zement ist nicht besser. Baustellenmörtel wird nach Raumteilen gemischt (1:3, 1:4, 1:6 Zement zu Sand): Fette Mischungen sind fester, aber steifer und schwinden stärker.
  • Wasser nur so viel wie nötig. Wie beim Beton senkt zu viel Wasser die Festigkeit und erhöht das Schwinden.
  • Bei Werkmörtel den Sack lesen: Norm, Klasse und Anwendungsbereich stehen dort.

Mörtel mit Graphen

Bei SmartMaterials steckt Graphen in zwei sehr unterschiedlichen Mörtelarten:

  • SmartCOVER, ein dekorativer Mikromörtel (Mikrozement) von 2 bis 3 mm, mit Graphen verstärkt, für fugenlose Böden, Wände, Pools und Fassaden. Es gibt drei Systeme (CLASSIC, ECO und das zweikomponentige HARD) und 44 Farben.
  • FloorGraphene, ein flüssiges Additiv für den Heizestrich der Fußbodenheizung, das dessen Wärmeleitfähigkeit je nach Gesteinskörnung von 0,88 auf 1,5–2,0 W/m·K erhöht.